Diplomaten unter Beschuss

Diplomaten unter Beschuss

  •   Von Daniel Shek
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    Foto: AFP
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     : Foto: AP
     
     
    Denn bisher dachte die Öffentlichkeit bei Diplomatie und Diplomaten im besten Fall an offizielle Veranstaltungen, Reisen und komplizierte politische Kontakte und im schlechtesten Fall an glitzernde Cocktailpartys. Häufig wird vergessen, dass Mitarbeiter des Außenministeriums, die ins Ausland geschickt werden, einer großen Gefährdung ausgesetzt sind. Die Entsandten des Außenministeriums befinden sich an der Front, ohne Kämpfer zu sein.
     
    Nur wenigen ist bekannt, dass am Gedenktag für die Gefallenen der Kriege Israels im Außenministerium auch immer eine Gedenkzeremonie für die Angestellten des Außenministeriums stattfindet, die im Dienst ermordet wurden. Efraim Elrom etwa wurde während seiner Amtszeit als israelischer Generalkonsul in Istanbul 1971 entführt und ermordet. Shlomo Argov, israelischer Botschafter in London, wurde 1982 bei einem Anschlag auf sein Leben schwer verletzt und blieb vom Hals abwärts gelähmt. Die Internetseite des Außenministeriums informiert über 14 weitere Mitarbeiter des Außenministeriums, Entsandte und ihre Familienmitglieder, die im Ausland zu Opfern von Anschlägen und Entführungen wurden.
     
    Eines meiner ersten Treffen nach meiner Ernennung zum Botschafter in Frankreich war das mit dem Kommandanten der französischen Einheit für Personenschutz. Er eröffnete das Gespräch mit folgender Auskunft: Herr Botschafter, auf der Liste der am meisten bedrohten Persönlichkeiten in Frankreich befinden Sie sich unter den ersten fünf. Das Treffen fand in dem Sitzungsraum der Botschaft statt, der nach Yaakov Barsimantov benannt war, auch er israelischer Diplomat, der Anfang der 1980er Jahre in Paris ermordet worden war. Die nächsten vier Jahre war ich von Sicherheitsketten umgeben, was für sich genommen schon kein besonders angenehmes Gefühl ist. Und obwohl ich mich niemals in Gefahr gefühlt habe, weiß ich, dass es konkrete Bedrohungen für mein Leben gegeben hat.
     
    Die Schatten der Bedrohung und das Leben unter ständiger Bewachung sind ein untrennbarer Teil der Routine im Leben von israelischen Vertretern im Ausland und ihren Familien, und sie durchdringen das tägliche Leben. Zusätzlich zur Arbeitsroutine, zur Schulroutine der Kinder und der Routine im Familienleben gibt es auch eine Sicherheitsroutine, die das Leben als Entsandter begleitet.
     
    Deshalb entwickeln die Entsandten oft merkwürdige Gewohnheiten. So gibt es beispielsweise solche, die unter fadenscheinigen Erklärungen einige Minuten vor ihren Kindern das Haus verlassen, wenn sie sie zur Schule fahren, damit die Kinder in sicherer Entfernung sind, wenn sie den Wagen anlassen.
     
    Eine Tätigkeit als Entsandter im Ausland ist nicht nur eine Arbeit, sie bestimmt das gesamte Leben des Diplomaten und seiner Familie. Mit jedem neuen Auslandsaufenthalt ändert sich die tägliche Routine, und der Mitarbeiter und seine Familie müssen sich an ein Leben in einer neuen Sprache, eine neue Gesellschaft, neue Lebensführung und eine neue Kultur gewöhnen. Kinder erleben nicht selten schwere persönliche Krisen, und Partner müssen auf eine eigene Karriere verzichten. Zusätzlich besteht auch die ständige Bedrohung für das eigene Leben.
     
    […] Auch das Sicherheitspersonal an den israelischen Vertretungen in der ganzen Welt sollte hier Erwähnung finden. Die Sicherheitsoffiziere und ihre Teams, die ich während meiner Jahre im Außenministerium getroffen habe, sind außerordentlich professionell, arbeiten nicht selten unter größtem Stress, sie tragen große Verantwortungen – und alles, um es dem Team der Botschaft zu ermöglichen, ihre Mission in Sicherheit durchzuführen und den Familien, ein normales Leben zu führen. Ihre Mission ist, dass am Ende alle in Frieden nach Hause zurückkehren.
     
    Doch abgesehen von all diesen Dingen habe ich es immer als großes Privileg und spannende berufliche Herausforderung betrachtet, den Staat Israel in der Welt zu repräsentieren. Die politischen Kämpfe Israels habe ich aus einem echten Gefühl der Mission heraus ausgefochten, und so empfinden es auch meine Kollegen im Außenministerium. In diesen Tagen tun wir gut daran, sie für ihren hingebungsvollen Dienst zu würdigen, den sie nicht selten unter Lebensgefahr leisten.
     
    Der Autor ist Diplomat.
     
    Die auf der Website veröffentlichten Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der israelischen Regierung wieder, sondern bieten einen Einblick in die politische Diskussion in Israel.
     
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