Vor 3000 Jahren hat König David von unserer ewigen
Hauptstadt Jerusalem aus den jüdischen Staat regiert. Dies sage ich alle jenen,
die sagen, der jüdische Staat habe keine Wurzeln in unserer Region und er werde
bald verschwinden.
Im Laufe der Geschichte hat das jüdische Volk alle
Tyrannen besiegt, die uns zu zerstören trachteten. Ihre Ideologien liegen heute
auf dem Müllhaufen der Geschichte.
Das Volk Israel lebt weiter. Auf
Hebräisch sagen wir „Am Israel chai“, und der jüdische Staat wird für immer
bestehen.
Das jüdische Volk lebt seit Tausenden von Jahren im Land
Israel. Auch, nachdem der größte Teil unseres Volkes von dort ins Exil gegangen
war, lebten Juden weiterhin im Land Israel. Unser Volk hat niemals aufgegeben,
davon zu träumen, in unsere alte Heimat zurückzukehren.
Indem wir die
Gesetze der Geschichte besiegt haben, haben wir ganz genau dies getan. Wir haben
die Menschen aus der Diaspora versammelt, unsere Unabhängigkeit wieder
hergestellt und unser nationales Leben wieder aufgebaut. Das jüdische Volk ist
nach Hause zurückgekehrt.
Wir werden niemals wieder entwurzelt werden.
Gestern war Yom Kippur, der heiligste Tag des jüdischen Jahres.
Seit drei Jahrtausenden kommen wir jedes Jahr an diesem Tag zusammen, um
nachzudenken und Buße zu tun. Wir ziehen Bilanz über unsere Vergangenheit. Wir
beten für unsere Zukunft. Wir gedenken der Leiden unserer Verfolgung; wir
gedenken der großen Mühen unserer Zerstörung; wir trauern um die Vernichtung
eines Drittels unseres Volkes im Holocaust, von sechs Millionen Menschen.
Doch am Ende von Yom Kippur feiern wir.
Wir feiern die
Wiedergeburt von Israel. Wir feiern das Heldentum unserer jungen Männer und
Frauen, die unser Volk mit dem unbezwingbaren Mut Josuas, Davids und der
Makkabäer verteidigen. Wir feiern das Wunder eines blühenden modernen jüdischen
Staates.
In Israel wandeln wir auf den Pfaden unserer Patriarchen
Abraham, Issak und Jakob. Doch wir begehen neue Wege in Wissenschaft,
Technologie, Medizin und Landwirtschaft.
In Israel vereinigen sich
Vergangenheit und Zukunft.
Unglücklicherweise ist das in vielen anderen
Ländern nicht der Fall. Denn heute wird eine große Schlacht zwischen Mittelalter
und Moderne geschlagen.
Die Mächte der Moderne streben nach einer
leuchtenden Zukunft, in der die Rechte aller geschützt werden, in der eine
ständig wachsende digitale Bibliothek jedem Kind per Mausklick zur Verfügung
steht, in der jedes Leben heilig ist.
Die Mächte des Mittelalters wollen
eine Welt, in der Frauen und Minderheiten unterdrückt werden, in der Wissen
unterdrückt wird, in der nicht das Leben, sondern der Tod glorifiziert wird.
Diese Mächte treffen überall auf der Welt aufeinander, doch nirgendwo so
intensiv wie im Nahen Osten.
Israel steht stolz in der Reihe der Mächte
der Moderne. Wir schützen die Rechte aller unserer Bürger: Männer und Frauen,
Juden und Araber, Muslime und Christen – wir alle sind vor dem Gesetz gleich.
Israel hilft auch, die Welt zu einem besseren Ort zu machen: Unsere
Wissenschaftler gewinnen Nobelpreise. Unser Knowhow steckt in jedem Mobiltelefon
und Computer, den Sie verwenden. Wir verhindern Hungersnöte durch
Bewässerungssysteme in Afrika und Asien.
Ich war sehr bewegt, als ich
vor kurzem das Technion besuchte, eines unserer technologischen Institute in
Haifa. Ich sah einen Mann, der von der Hüfte ab gelähmt war, eine Treppe
hinaufsteigen – mithilfe einer israelischen Erfindung.
Und zu Israels
außergewöhnlicher Kreativität kommt noch die der bemerkenswerte
Empathiefähigkeit unseres Volkes. Wenn irgendwo auf der Welt eine Katastrophe
passiert – sei es in Haiti, Japan, Indien, der Türkei, Indonesien oder sonstwo –
sind israelische Ärzte unter den ersten am Ort und führen lebensrettende
Operationen durch.
Im vergangenen Jahr habe ich sowohl meinen Vater als
auch meinen Schwiegervater verloren. Im selben Krankenhaus, in dem sie Patienten
waren, wurden auch palästinensische Araber behandelt. Tausende Araber aus den
Palästinensischen Autonomiegebieten und Araber aus dem gesamten Nahen Osten
kommen im Jahr nach Israel, um sich in israelischen Krankenhäusern von
israelischen Ärzten behandeln zu lassen.
Ich weiß, dass Sie dies von
Sprechern auf diesem Podium nicht hören werden, doch es ist die Wahrheit. Es ist
wichtig, dass Sie sich dieser Wahrheit bewusst sind.
Denn da Israel das
Leben schätzt, schätzt es auch Frieden und strebt nach Frieden.
Wir
streben danach, unsere historischen Beziehungen und unsere historischen
Friedensverträge mit Ägypten und Jordanien zu bewahren. Wir streben nach einem
dauerhaften Frieden mit den Palästinensern.
Gerade eben hat Präsident
Abbas hier gesprochen.
Ich sage ihm und Ihnen:
Wir werden
unseren Konflikt nicht durch verleumderische Reden bei den UN lösen. So wird er
nicht gelöst werden. Wir werden unseren Konflikt nicht durch einseitige
Ausrufungen einer Staatlichkeit lösen.
Wir müssen uns zusammensetzen,
gemeinsam verhandelt und einen gemeinsamen Kompromiss finden, in dem ein
entmilitarisierter palästinensischer Staat den einzigen jüdischen Staat
anerkennt.
Israel möchte einen Nahen Osten des Fortschritts und
Friedens. Wir möchten, dass die großen drei Weltreligionen, die in unserer
Region entstanden sind – Judentum, Christentum und Islam – gemeinsam in Frieden
und gegenseitigem Respekt leben.
Doch die mittelalterlichen Kräfte des
radikalen Islams, den Sie gerade die amerikanischen Botschaften im Nahen Osten
haben erstürmen sehen, stehen dem entgegen.
Sie möchten die Herrschaft
über alle Muslime. Sie haben sich der Eroberung der Welt verschrieben. Sie
wollen Israel, Europa und Amerika zerstören. Sie wollen die Freiheit ausrotten.
Sie wollen der modernen Welt ein Ende bereiten.
Der militante Islam ist
weit verzweigt – von den Herrschern des Iran mit ihren Revolutionsgarden über
die Terroristen von Al-Qaida bis hin zu den radikalen Zellen, die es überall auf
der Welt gibt.
Doch trotz aller Unterschiede haben sie ihre Wurzeln alle
in demselben bitteren Boden der Intoleranz. Diese Intoleranz wendet sich
zunächst gegen die anderen Muslime und dann gegen die Christen, Juden,
Buddhisten, Hindus, Säkularen – gegen jeden, der sich ihrem gnadenlosen
Glaubensverständnis nicht unterordnet.
Sie möchten die Menschheit in ein
Zeitalter der nicht zu hinterfragenden Dogmata und des gnadenlosen Konflikts
zurückwerfen.
Einer Sache bin ich mir sicher: Letztendlich werden sie
scheitern. Letztendlich wird Licht in die Dunkelheit dringen.
Wir haben
schon ähnliches erlebt.
Vor etwa 500 Jahren hat die Druckerpresse dabei
geholfen, ein abgeschiedenes Europa aus der Dunkelheit zu führen. Die
Unwissenheit hat der Aufklärung Platz gemacht.
Ähnlich wird auch ein
abgeschiedener Naher Osten sich den unwiderstehlichen Kräften der Freiheit und
Technologie ergeben müssen. Wenn dies geschieht, wird unsere Region nicht durch
Fanatismus und Verschwörungen geleitet, sondern durch Rationalität und Neugier.
Ich glaube, die Frage, die sich hier stellt, lautet nicht, ob der
Fanatismus besiegt wird. Sie lautet, wie viele Leben geopfert werden, bevor er
besiegt ist.
Wir haben auch dies zuvor schon erlebt.
Vor etwa 70
Jahren hat die Welt gesehen, wie eine weitere fanatische Ideologie von der
Eroberung der Welt träumte. Sie ging in Flammen auf – doch nicht, ohne Millionen
Menschen mit sich in den Tod zu reißen. Wer gegen diesen Fanatismus war, hat zu
lang gewartet und nicht gehandelt. Am Ende haben sie gesiegt, doch um einen
schrecklichen Preis.
Liebe Freunde, wir dürfen nicht zulassen, dass das
wieder passiert.
Hier geht es nicht nur um die Zukunft meines eigenen
Landes. Es geht um die Zukunft der Welt. Nichts kann unsere gemeinsame Zukunft
mehr in Gefahr bringen, als die Bewaffnung des Iran mit atomaren Waffen.
Um zu verstehen, wie die Welt mit einem nuklear bewaffneten Iran
aussehen würde, müssen Sie sich nur die Welt mit einer nuklear bewaffneten
Al-Qaida vorstellen.
Es macht keinen Unterschied, ob sich diese
tödlichen Waffen in den Händen des gefährlichsten Terrorregimes der Welt
befinden oder der gefährlichsten Terrororganisation. Beide werden durch
denselben Hass angetrieben, sie sind beide getrieben von derselben Gier nach
Gewalt.
Denken Sie nur einmal darüber nach, was das iranische Regime bis
jetzt bereits angerichtet hat, und das ohne Atomwaffen.
2009 haben sie
Massenproteste für mehr Demokratie in ihrem eigenen Land brutal unterdrückt.
Heute beteiligen sich ihre Henker am Massenmord an zehntausenden syrischen
Zivilisten, darunter Tausende Kinder.
Sie haben zum Mord an
amerikanischen Soldaten im Irak aufgerufen und tun dies weiterhin in
Afghanistan. Zuvor haben iranische Handlager amerikanische Soldaten in Beirut
und Saudi-Arabien getötet. Sie haben den Libanon und den Gazastreifen in
Hochburgen des Terrorismus verwandelt und dort beinahe 100.000 Raketen in
Wohngebieten stationiert. Tausende dieser Raketen wurden bereits von ihren
Handlagern auf israelische Gemeinden abgefeuert.
Im vergangenen Jahr
haben sie das Netzwerk ihres internationalen Terrors über zwei Dutzend Länder
auf fünf Kontinenten verteilt – von Indien und Thailand bis Kenia und Bulgarien.
Sie haben sogar ein Restaurant nur fünf Blocks vom Weißen Haus entfernt in die
Luft gesprengt, um einen Diplomaten zu töten.
Und selbstverständlich
leugnen die iranischen Herrscher immer wieder den Holocaust und rufen beinahe
täglich zur Vernichtung Israels auf, unter anderem in dieser Woche vor den
Vereinten Nationen.
Ich bitte Sie also, sich genau diesen Iran mit
Atomwaffen vorzustellen. Stellen Sie sich ihre Langstreckenraketen mit
Atomsprengköpfen vor, ihre Terrornetzwerke mit Atombomben.
Wer von Ihnen
würde sich im Nahen Osten sicher fühlen? Wer wäre in Europa sicher? Wer wäre in
Amerika sicher? Wer wäre an anderen Orten noch sicher?
Es gibt solche,
die glauben, dass ein nuklear bewaffneter Iran ebenso wie die Sowjetunion
abgeschreckt werden kann.
Dies ist eine sehr gefährliche Annahme.
Militante Jihadisten verhalten sich ganz anders als säkulare Marxisten.
Es gab keine sowjetischen Selbstmordattentäter, doch der Iran produziert ganze
Horden von ihnen.
Abschreckung hat mit den Sowjets funktioniert, weil
jedes Mal, wenn die Sowjets sich zwischen ihrer Ideologie und dem Überleben
entscheiden mussten, sie sich für das Überleben entschieden haben.
Doch
Abschreckung könnte mit den Iranern nicht mehr funktionieren, wenn sie einmal
Atomwaffen haben.
Professor Bernard Lewis, ein großer Kenner des Nahen
Ostens, hat das am besten formuliert: Er sagte, dass für die Ayatollas des Iran
die Möglichkeit einer gegenseitigen Vernichtung nicht der Abschreckung dienen
würde, sondern im Gegenteil ein Anreiz wäre.
Die apokalyptischen
Anführer des Iran glauben, dass ein mittelalterlicher heiliger Mann im Zuge
eines zerstörerischen Heiligen Krieges wieder erscheinen wird und dadurch
sicherstellt, dass ihre Marke des radikalen Islam die Welt beherrscht.
Und das ist nicht nur, was sie glauben, es ist, was ihre Politik und
Handlungen bestimmt.
Hören Sie nur einmal auf Ayatollah Rafsanjani, der
gesagt hat, ich zitiere: „Der Einsatz auch nur einer Atombombe in Israel wird
alles zerstören, doch es würde nur der islamischen Welt
schaden.“
Rafsanjani erklärte: „Es ist nicht irrational, eine solche
Möglichkeit abzuwägen.“
Nicht irrational…
Und eine solche Aussage
kommt von einem der sogenannten Moderaten im Iran.
Schockierender Weise
haben einige Menschen begonnen, die absurde Auffassung zu streuen, dass ein
atomar bewaffneter Iran die Nahen Osten stabilisieren könnte.
Ja,
richtig…
Das ist so, wie zu sagen, eine atomar bewaffnete Al-Qaida würde
uns in ein Zeitalter des universellen Friedens führen.
Meine Damen und
Herren,
ich spreche seit 15 Jahren davon, dass der Iran daran gehindert
werden muss, Atomwaffen zu entwickeln.
Ich habe während meiner ersten
Amtszeit als Ministerpräsident davon gesprochen, und ich habe davon gesprochen,
als ich nicht Ministerpräsident war. Ich haben davon gesprochen, als es in war,
und ich haben davon gesprochen, als es nicht in war.
Ich spreche jetzt
davon, weil uns die Zeit davon läuft. Ich spreche jetzt davon, weil der
iranische nukleare Kalender keine Unterbrechung kennt. Ich spreche jetzt davon,
weil es, wenn es um das Überleben meines Volkes geht, nicht nur mein Recht ist
zu sprechen; es ist meine Pflicht. Und ich glaube, dass es die Pflicht eines
jeden verantwortungsvollen Anführers ist, der den Weltfrieden wahren möchte.
Seit beinahe einem Jahrzehnt versucht die internationale Gemeinschaft,
das iranische Atomprogramm mit Diplomatie zu stoppen.
Das hat nicht
funktioniert.
Für den Iran sind diplomatische Verhandlungen lediglich
ein Mittel, um Zeit für die Weiterentwicklung seines Atomprogramms zu schinden.
Seit mehr als sieben Jahren versucht es die internationale Gemeinschaft
mit Sanktionen gegen den Iran. Unter der Führung von Präsident Obama hat die
internationale Gemeinschaft einige der bis jetzt schwersten Sanktionen verhängt.
Ich möchte den hier anwesenden Regierungen danken, die Teil dieser
Bemühungen waren. Sie waren nicht wirkungslos. Die Ölexporte gingen zurück und
die iranische Wirtschaft wurde schwer getroffen.
Es hatte Einfluss auf
die Wirtschaft, doch wir müssen der Wahrheit ins Auge sehen. Sanktionen haben
das iranische Nuklearprogramm noch nie gestoppt.
Der Internationalen
Atomenergiebehörde zufolge hat der Iran allein während des vergangenen Jahres
die Anzahl der Zentrifugen in seiner unterirdischen Atomanlage in Qom
verdoppelt.
Zu dieser späten Stunde gibt es nur einen Weg, den Iran auf
friedliche Wese daran zu hindern, an Atombomben zu gelangen. Man muss „Rote
Linien“ für das iranische Atomprogramm ziehen.
Rote Linien führen nicht
zum Krieg; Rote Linien verhindern Krieg.
Betrachten Sie die Charta der
Nato: Sie stellt klar, dass der Angriff auf einen Mitgliedsstaat einen Angriff
auf das Bündnis darstellt. Die Rote Linie der Nato hat dabei geholfen, den
Frieden in Europa für beinahe ein halbes Jahrhundert zu wahren.
Präsident Kennedy hat während der Kuba-Krise eine klare Rote Linie
gezogen. Auch diese Rote Linie hat einen Krieg verhindert und über Jahrzehnte
den Frieden gesichert.
Tatsächlich ist es häufig der Mangel an Roten
Linien gewesen, der zu Angriffen geführt hat.
Wenn die Westmächte
während der 1930er Jahre klare Rote Linien gezogen hätten, dann glaube ich,
hätte die Aggression der Nazis gestoppt werden und der Zweite Weltkrieg
verhindert werden können.
Hätte man 1990 Saddam Hussein erklärt, dass er
mit seiner Invasion in Kuwait eine Rote Linie überquere, hätte der Erste
Golfkrieg verhindert werden können.
Rote Linien haben auch mit dem Iran
bereits funktioniert.
In diesem Jahr hat der Iran damit gedroht, die
Straße von Hormus zu schließen. Die Vereinigten Staaten haben eine klare Rote
Linie gezogen, und der Iran ist eingeknickt.
Rote Linien könnten
bezüglich verschiedener Teile des iranischen Atomwaffenprogramms gezogen werden.
Doch um glaubwürdig zu sein, muss zu allererst eine Rote Linie für den
lebendigsten Teil ihres Programmes gezogen werden: Die Bemühungen des Irans in
der Uran-Anreicherung. Lassen Sie mich erklären, warum:
Grundsätzlich
besteht jede Bombe aus Sprengmaterial und einem Mechanismus zur Detonation.
Das einfachste Beispiel hierfür ist Sprengpulver und ein Zünder. Sie
setzen den Zünder in Brand, und das Sprengpulver explodiert.
Im Falle
der iranischen Pläne für eine atomare Waffe ist das angereicherte Uran das
Sprengpulver. Der Zünder ist die nukleare Sprengkapsel.
Für den Iran ist
es sehr viel schwerer, genug Uran anzureichern als einen nuklearen Zünder zu
produzieren.
Ein Land wie der Iran braucht viele, viele Jahre, um genug
Uran für eine Bombe anzureichern. Man braucht dafür Tausende Zentrifugen in sehr
großen Anlagen. Diese iranischen Anlagen sind sichtbar, und sie sind immer noch
angreifbar.
Im Gegensatz dazu könnte der Iran die nukleare Sprengkapsel,
also den Zünder, in viel kürzerer Zeit entwickeln, vielleicht in weniger als
einem Jahr oder sogar nur wenigen Monaten.
Die Sprengkapsel kann in
einer kleinen Werkstatt von der Größe eines Klassenzimmers hergestellt werden.
Es kann sehr schwierig sein, diese Werkstatt zu finden und anzugreifen,
besonders im Iran. Das Land ist größer als Frankreich, Deutschland, Italien und
Großbritannien zusammen.
Gleiches gilt auch für die kleine Fabrik, in
der man einen Sprengkopf oder einen nuklearen Apparat zusammensetzen könnte, der
in ein Containerschiff passen würde. Sie zu finden, wäre ebenfalls sehr
schwierig.
Der einzige Weg, wie man also tatsächlich den Iran daran
hindern könnte, eine Atomwaffe zu bauen, ist den Iran daran zu hindern, genug
angereichertes Uran für eine Bombe zu erhalten.
Wie viel angereichertes
Uran braucht man also für eine Bombe? Und wie nah ist der Iran daran, genug
davon zu besitzen? Ich werde es Ihnen zeigen. Ich habe ein Diagramm für Sie
mitgebracht.
Dies ist eine Bombe, und dies ist der Zünder.
Die
Bombe muss also mit genug angereichertem Uran gefüllt werden, und dafür muss der
Iran drei Stufen durchlaufen.
Die erste Stufe: Sie müssen genug niedrig
angereichertes Uran haben.
Die zweite Stufe: Sie brauchen genug
mittelschwer angereichertes Uran.
Und die dritte und letzte Stufe: Sie
müssen genug hoch angereichertes Uran für die erste Bombe haben.
Wo
steht jetzt also der Iran zurzeit? Er hat die erste Stufe abgeschlossen. Sie
haben viele Jahre dafür gebraucht, doch sie haben sie abgeschlossen und damit
70% des Weges zurückgelegt.
Nun sind sie also mitten in der zweiten
Stufe. Im nächsten Frühjahr, spätestens im nächsten Sommer werden sie die
mittlere Anreichung abgeschlossen haben und zur letzten Stufe übergehen.
Vor da ab sind es dann nur noch einige Monate, vielleicht sogar nur
einige Wochen, bevor sie genug angereichertes Uran für die erste Bombe haben.
Meine Damen und Herren,
was ich Ihnen erzählt habe, basiert
nicht auf geheimen Informationen. Es basiert nicht auf Spionage. Es basiert auf
öffentlichen Berichten der Internationalen Atomenergiebehörde. Jeder kann sie
lesen. Sie sind sogar online verfügbar.
Wenn dies also die Fakten sind,
und das sind sie, wo sollte dann die Rote Linie gezogen werden?
Die Rote
Linie sollte ganz genau hier verlaufen, bevor der Iran die zweite Stufe der
Anreicherung abschließt, um eine Bombe zu bauen.
Bevor der Iran an einen
Punkt kommt wo er nur noch wenige Monate oder Wochen davon entfernt ist, genug
angereichertes Uran zu haben, um eine Atomwaffe zu bauen.
Jeden Tag
kommt dieser Punkt näher. Darum spreche ich heute so dringlich zu Ihnen. Und
darum sollte jeder fühlen, dass es wirklich dringend ist.
Einige, die
sagen, dass, auch wenn der Iran den Prozess der Anreicherung abschließt, auch
wenn er diese Rote Linie überquert, die ich gerade gezogen habe, unsere Dienste
wissen werden, wo und wann er den Zünder herstellt, die Bombe zusammensetzt und
den Sprengkopf herstellt.
Nun, niemand schätzt unsere Nachrichtendienste
höher als der israelische Ministerpräsident. All diese führenden
Nachrichtendienste sind hervorragend, einschließlich der unseren. Sie haben
viele Angriffe verhindert. Sie haben viele Leben gerettet.
Doch sie sind
nicht unfehlbar.
Über mehr als zwei Jahre haben unsere
Nachrichtendienste nicht gewusst, dass der Iran eine riesige
Atomanreicherungsanlage unter einem Berg baut.
Wollen wir riskieren,
dass die Sicherheit der Welt von der Annahme abhängt, dass wir eine kleine
Werkstatt in einem Land von der Größe halb Europas aufspüren?
Meine
Damen und Herren,
Die Frage lautet nicht, wann der Iran die Bombe haben
wird. Die Frage ist, ab welchem Punkt es uns nicht mehr gelingen wird, den Iran
daran zu hindern, die Bombe zu bauen.
Die Rote Linie muss beim
Anreicherungsprogramm des Iran gezogen werden, weil diese Anreicherungsanlagen
etwas sind, das wir definitiv sehen und angreifen könnten.
Ich glaube,
wenn der Iran sich mit einer Roten Linie konfrontiert sieht, wird er einknicken.
Dies wird Sanktionen und Diplomatie mehr Zeit geben, den Iran zu
überzeugen, sein Atomwaffenprogramm gänzlich aufzugeben.
Vor zwei Tagen
hat Präsident Obama von diesem Podium aus wiederholt, dass die Bedrohung eines
nuklear bewaffneten Iran nicht kalkulierbar ist.
Ich schätze die
Position des Präsidenten ebenso sehr wie jeder andere in meinem Land. Wir teilen
das Ziel, das iranische Atomwaffenprogramm zu stoppen. Dieses Ziel eint das Volk
Israel. Es eint, die Amerikaner, Demokraten und Republikaner; und es ist vielen
wichtigen Führern der Welt gemein.
Was ich heute gesagt habe, wird
helfen, dass dieses gemeinsame Ziel erreicht wird.
Israel befindet sich
mit den Vereinigten Staaten in Diskussionen über dieses Thema, und ich vertraue
darauf, dass wir gemeinsam einen Weg finden werden.
Meine Damen und
Herren,
Der Zusammenstoß zwischen Moderne und Mittelalter sollte kein
Zusammenstoß zwischen Fortschritt und Tradition sein.
Die Traditionen
des jüdischen Volkes gehen Tausende von Jahren zurück. Sie sind die Quelle
unserer kollektiven Werte und die Basis für unsere nationale Stärke.
Gleichzeitig hat das jüdische Volk immer in die Zukunft geblickt. Im
Laufe der Geschichte waren wir vorne dabei, wenn es darum ging, Freiheit,
Gleichheit und Menschenrechte voranzubringen.
Wir sind Meister dieser
Prinzipien, und das nicht trotz unserer Traditionen sondern wegen ihnen.
Wir beherzigen die Worte der Propheten Jesaja, Amos und Jeremiah, jeden
mit Respekt und Mitgefühl zu behandeln, nach Gerechtigkeit zu streben, das Leben
wertzuschätzen und für Frieden zu beten und zu sorgen.
Dies sind die
zeitlosen Werte meines Volkes, und dies ist das größte Geschenk des jüdischen
Volkes an die Menschheit.
Lassen Sie uns uns heute dazu verpflichten,
diese Werte zu verteidigen, damit wir unsere Freiheit verteidigen und unsere
gemeinsame Zivilisation schützen können.
Ich danke Ihnen.