Netanyahu vor der UNO

Netanyahu vor der UNO

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    Ministerpräsident Benjamin Netanyahus Rede vor der UNO-Vollversammlung am 27.9.2012 im Wortlaut.

     

    Meine Damen und Herren,

    vor 3000 Jahren hat König David von unserer ewigen Hauptstadt Jerusalem aus den jüdischen Staat regiert. Dies sage ich alle jenen, die sagen, der jüdische Staat habe keine Wurzeln in unserer Region und er werde bald verschwinden.

    Im Laufe der Geschichte hat das jüdische Volk alle Tyrannen besiegt, die uns zu zerstören trachteten. Ihre Ideologien liegen heute auf dem Müllhaufen der Geschichte.

    Das Volk Israel lebt weiter. Auf Hebräisch sagen wir „Am Israel chai“, und der jüdische Staat wird für immer bestehen.

    Das jüdische Volk lebt seit Tausenden von Jahren im Land Israel. Auch, nachdem der größte Teil unseres Volkes von dort ins Exil gegangen war, lebten Juden weiterhin im Land Israel. Unser Volk hat niemals aufgegeben, davon zu träumen, in unsere alte Heimat zurückzukehren.

    Indem wir die Gesetze der Geschichte besiegt haben, haben wir ganz genau dies getan. Wir haben die Menschen aus der Diaspora versammelt, unsere Unabhängigkeit wieder hergestellt und unser nationales Leben wieder aufgebaut. Das jüdische Volk ist nach Hause zurückgekehrt.

    Wir werden niemals wieder entwurzelt werden.

    Gestern war Yom Kippur, der heiligste Tag des jüdischen Jahres.

    Seit drei Jahrtausenden kommen wir jedes Jahr an diesem Tag zusammen, um nachzudenken und Buße zu tun. Wir ziehen Bilanz über unsere Vergangenheit. Wir beten für unsere Zukunft. Wir gedenken der Leiden unserer Verfolgung; wir gedenken der großen Mühen unserer Zerstörung; wir trauern um die Vernichtung eines Drittels unseres Volkes im Holocaust, von sechs Millionen Menschen.

    Doch am Ende von Yom Kippur feiern wir.

    Wir feiern die Wiedergeburt von Israel. Wir feiern das Heldentum unserer jungen Männer und Frauen, die unser Volk mit dem unbezwingbaren Mut Josuas, Davids und der Makkabäer verteidigen. Wir feiern das Wunder eines blühenden modernen jüdischen Staates.

    In Israel wandeln wir auf den Pfaden unserer Patriarchen Abraham, Issak und Jakob. Doch wir begehen neue Wege in Wissenschaft, Technologie, Medizin und Landwirtschaft.

    In Israel vereinigen sich Vergangenheit und Zukunft.

    Unglücklicherweise ist das in vielen anderen Ländern nicht der Fall. Denn heute wird eine große Schlacht zwischen Mittelalter und Moderne geschlagen.

    Die Mächte der Moderne streben nach einer leuchtenden Zukunft, in der die Rechte aller geschützt werden, in der eine ständig wachsende digitale Bibliothek jedem Kind per Mausklick zur Verfügung steht, in der jedes Leben heilig ist.

    Die Mächte des Mittelalters wollen eine Welt, in der Frauen und Minderheiten unterdrückt werden, in der Wissen unterdrückt wird, in der nicht das Leben, sondern der Tod glorifiziert wird.

    Diese Mächte treffen überall auf der Welt aufeinander, doch nirgendwo so intensiv wie im Nahen Osten.

    Israel steht stolz in der Reihe der Mächte der Moderne. Wir schützen die Rechte aller unserer Bürger: Männer und Frauen, Juden und Araber, Muslime und Christen – wir alle sind vor dem Gesetz gleich.

    Israel hilft auch, die Welt zu einem besseren Ort zu machen: Unsere Wissenschaftler gewinnen Nobelpreise. Unser Knowhow steckt in jedem Mobiltelefon und Computer, den Sie verwenden. Wir verhindern Hungersnöte durch Bewässerungssysteme in Afrika und Asien.

    Ich war sehr bewegt, als ich vor kurzem das Technion besuchte, eines unserer technologischen Institute in Haifa. Ich sah einen Mann, der von der Hüfte ab gelähmt war, eine Treppe hinaufsteigen – mithilfe einer israelischen Erfindung.

    Und zu Israels außergewöhnlicher Kreativität kommt noch die der bemerkenswerte Empathiefähigkeit unseres Volkes. Wenn irgendwo auf der Welt eine Katastrophe passiert – sei es in Haiti, Japan, Indien, der Türkei, Indonesien oder sonstwo – sind israelische Ärzte unter den ersten am Ort und führen lebensrettende Operationen durch.

    Im vergangenen Jahr habe ich sowohl meinen Vater als auch meinen Schwiegervater verloren. Im selben Krankenhaus, in dem sie Patienten waren, wurden auch palästinensische Araber behandelt. Tausende Araber aus den Palästinensischen Autonomiegebieten und Araber aus dem gesamten Nahen Osten kommen im Jahr nach Israel, um sich in israelischen Krankenhäusern von israelischen Ärzten behandeln zu lassen.

    Ich weiß, dass Sie dies von Sprechern auf diesem Podium nicht hören werden, doch es ist die Wahrheit. Es ist wichtig, dass Sie sich dieser Wahrheit bewusst sind.

    Denn da Israel das Leben schätzt, schätzt es auch Frieden und strebt nach Frieden.

    Wir streben danach, unsere historischen Beziehungen und unsere historischen Friedensverträge mit Ägypten und Jordanien zu bewahren. Wir streben nach einem dauerhaften Frieden mit den Palästinensern.

    Gerade eben hat Präsident Abbas hier gesprochen.

    Ich sage ihm und Ihnen:

    Wir werden unseren Konflikt nicht durch verleumderische Reden bei den UN lösen. So wird er nicht gelöst werden. Wir werden unseren Konflikt nicht durch einseitige Ausrufungen einer Staatlichkeit lösen.

    Wir müssen uns zusammensetzen, gemeinsam verhandelt und einen gemeinsamen Kompromiss finden, in dem ein entmilitarisierter palästinensischer Staat den einzigen jüdischen Staat anerkennt.

    Israel möchte einen Nahen Osten des Fortschritts und Friedens. Wir möchten, dass die großen drei Weltreligionen, die in unserer Region entstanden sind – Judentum, Christentum und Islam – gemeinsam in Frieden und gegenseitigem Respekt leben.

    Doch die mittelalterlichen Kräfte des radikalen Islams, den Sie gerade die amerikanischen Botschaften im Nahen Osten haben erstürmen sehen, stehen dem entgegen.

    Sie möchten die Herrschaft über alle Muslime. Sie haben sich der Eroberung der Welt verschrieben. Sie wollen Israel, Europa und Amerika zerstören. Sie wollen die Freiheit ausrotten. Sie wollen der modernen Welt ein Ende bereiten.

    Der militante Islam ist weit verzweigt – von den Herrschern des Iran mit ihren Revolutionsgarden über die Terroristen von Al-Qaida bis hin zu den radikalen Zellen, die es überall auf der Welt gibt.

    Doch trotz aller Unterschiede haben sie ihre Wurzeln alle in demselben bitteren Boden der Intoleranz. Diese Intoleranz wendet sich zunächst gegen die anderen Muslime und dann gegen die Christen, Juden, Buddhisten, Hindus, Säkularen – gegen jeden, der sich ihrem gnadenlosen Glaubensverständnis nicht unterordnet.

    Sie möchten die Menschheit in ein Zeitalter der nicht zu hinterfragenden Dogmata und des gnadenlosen Konflikts zurückwerfen.

    Einer Sache bin ich mir sicher: Letztendlich werden sie scheitern. Letztendlich wird Licht in die Dunkelheit dringen.

    Wir haben schon ähnliches erlebt.

    Vor etwa 500 Jahren hat die Druckerpresse dabei geholfen, ein abgeschiedenes Europa aus der Dunkelheit zu führen. Die Unwissenheit hat der Aufklärung Platz gemacht.

    Ähnlich wird auch ein abgeschiedener Naher Osten sich den unwiderstehlichen Kräften der Freiheit und Technologie ergeben müssen. Wenn dies geschieht, wird unsere Region nicht durch Fanatismus und Verschwörungen geleitet, sondern durch Rationalität und Neugier.

    Ich glaube, die Frage, die sich hier stellt, lautet nicht, ob der Fanatismus besiegt wird. Sie lautet, wie viele Leben geopfert werden, bevor er besiegt ist.

    Wir haben auch dies zuvor schon erlebt.

    Vor etwa 70 Jahren hat die Welt gesehen, wie eine weitere fanatische Ideologie von der Eroberung der Welt träumte. Sie ging in Flammen auf – doch nicht, ohne Millionen Menschen mit sich in den Tod zu reißen. Wer gegen diesen Fanatismus war, hat zu lang gewartet und nicht gehandelt. Am Ende haben sie gesiegt, doch um einen schrecklichen Preis.

    Liebe Freunde, wir dürfen nicht zulassen, dass das wieder passiert.

    Hier geht es nicht nur um die Zukunft meines eigenen Landes. Es geht um die Zukunft der Welt. Nichts kann unsere gemeinsame Zukunft mehr in Gefahr bringen, als die Bewaffnung des Iran mit atomaren Waffen.

    Um zu verstehen, wie die Welt mit einem nuklear bewaffneten Iran aussehen würde, müssen Sie sich nur die Welt mit einer nuklear bewaffneten Al-Qaida vorstellen.

    Es macht keinen Unterschied, ob sich diese tödlichen Waffen in den Händen des gefährlichsten Terrorregimes der Welt befinden oder der gefährlichsten Terrororganisation. Beide werden durch denselben Hass angetrieben, sie sind beide getrieben von derselben Gier nach Gewalt.

    Denken Sie nur einmal darüber nach, was das iranische Regime bis jetzt bereits angerichtet hat, und das ohne Atomwaffen.

    2009 haben sie Massenproteste für mehr Demokratie in ihrem eigenen Land brutal unterdrückt. Heute beteiligen sich ihre Henker am Massenmord an zehntausenden syrischen Zivilisten, darunter Tausende Kinder.

    Sie haben zum Mord an amerikanischen Soldaten im Irak aufgerufen und tun dies weiterhin in Afghanistan. Zuvor haben iranische Handlager amerikanische Soldaten in Beirut und Saudi-Arabien getötet. Sie haben den Libanon und den Gazastreifen in Hochburgen des Terrorismus verwandelt und dort beinahe 100.000 Raketen in Wohngebieten stationiert. Tausende dieser Raketen wurden bereits von ihren Handlagern auf israelische Gemeinden abgefeuert.

    Im vergangenen Jahr haben sie das Netzwerk ihres internationalen Terrors über zwei Dutzend Länder auf fünf Kontinenten verteilt – von Indien und Thailand bis Kenia und Bulgarien. Sie haben sogar ein Restaurant nur fünf Blocks vom Weißen Haus entfernt in die Luft gesprengt, um einen Diplomaten zu töten.

    Und selbstverständlich leugnen die iranischen Herrscher immer wieder den Holocaust und rufen beinahe täglich zur Vernichtung Israels auf, unter anderem in dieser Woche vor den Vereinten Nationen.

    Ich bitte Sie also, sich genau diesen Iran mit Atomwaffen vorzustellen. Stellen Sie sich ihre Langstreckenraketen mit Atomsprengköpfen vor, ihre Terrornetzwerke mit Atombomben.

    Wer von Ihnen würde sich im Nahen Osten sicher fühlen? Wer wäre in Europa sicher? Wer wäre in Amerika sicher? Wer wäre an anderen Orten noch sicher?

    Es gibt solche, die glauben, dass ein nuklear bewaffneter Iran ebenso wie die Sowjetunion abgeschreckt werden kann.

    Dies ist eine sehr gefährliche Annahme.

    Militante Jihadisten verhalten sich ganz anders als säkulare Marxisten. Es gab keine sowjetischen Selbstmordattentäter, doch der Iran produziert ganze Horden von ihnen.

    Abschreckung hat mit den Sowjets funktioniert, weil jedes Mal, wenn die Sowjets sich zwischen ihrer Ideologie und dem Überleben entscheiden mussten, sie sich für das Überleben entschieden haben.

    Doch Abschreckung könnte mit den Iranern nicht mehr funktionieren, wenn sie einmal Atomwaffen haben.

    Professor Bernard Lewis, ein großer Kenner des Nahen Ostens, hat das am besten formuliert: Er sagte, dass für die Ayatollas des Iran die Möglichkeit einer gegenseitigen Vernichtung nicht der Abschreckung dienen würde, sondern im Gegenteil ein Anreiz wäre.

    Die apokalyptischen Anführer des Iran glauben, dass ein mittelalterlicher heiliger Mann im Zuge eines zerstörerischen Heiligen Krieges wieder erscheinen wird und dadurch sicherstellt, dass ihre Marke des radikalen Islam die Welt beherrscht.

    Und das ist nicht nur, was sie glauben, es ist, was ihre Politik und Handlungen bestimmt.

    Hören Sie nur einmal auf Ayatollah Rafsanjani, der gesagt hat, ich zitiere: „Der Einsatz auch nur einer Atombombe in Israel wird alles zerstören, doch es würde nur der islamischen Welt schaden.“

    Rafsanjani erklärte: „Es ist nicht irrational, eine solche Möglichkeit abzuwägen.“

    Nicht irrational…

    Und eine solche Aussage kommt von einem der sogenannten Moderaten im Iran.

    Schockierender Weise haben einige Menschen begonnen, die absurde Auffassung zu streuen, dass ein atomar bewaffneter Iran die Nahen Osten stabilisieren könnte.

    Ja, richtig…

    Das ist so, wie zu sagen, eine atomar bewaffnete Al-Qaida würde uns in ein Zeitalter des universellen Friedens führen.

    Meine Damen und Herren,

    ich spreche seit 15 Jahren davon, dass der Iran daran gehindert werden muss, Atomwaffen zu entwickeln.

    Ich habe während meiner ersten Amtszeit als Ministerpräsident davon gesprochen, und ich habe davon gesprochen, als ich nicht Ministerpräsident war. Ich haben davon gesprochen, als es in war, und ich haben davon gesprochen, als es nicht in war.

    Ich spreche jetzt davon, weil uns die Zeit davon läuft. Ich spreche jetzt davon, weil der iranische nukleare Kalender keine Unterbrechung kennt. Ich spreche jetzt davon, weil es, wenn es um das Überleben meines Volkes geht, nicht nur mein Recht ist zu sprechen; es ist meine Pflicht. Und ich glaube, dass es die Pflicht eines jeden verantwortungsvollen Anführers ist, der den Weltfrieden wahren möchte.

    Seit beinahe einem Jahrzehnt versucht die internationale Gemeinschaft, das iranische Atomprogramm mit Diplomatie zu stoppen.

    Das hat nicht funktioniert.

    Für den Iran sind diplomatische Verhandlungen lediglich ein Mittel, um Zeit für die Weiterentwicklung seines Atomprogramms zu schinden.

    Seit mehr als sieben Jahren versucht es die internationale Gemeinschaft mit Sanktionen gegen den Iran. Unter der Führung von Präsident Obama hat die internationale Gemeinschaft einige der bis jetzt schwersten Sanktionen verhängt.

    Ich möchte den hier anwesenden Regierungen danken, die Teil dieser Bemühungen waren. Sie waren nicht wirkungslos. Die Ölexporte gingen zurück und die iranische Wirtschaft wurde schwer getroffen.

    Es hatte Einfluss auf die Wirtschaft, doch wir müssen der Wahrheit ins Auge sehen. Sanktionen haben das iranische Nuklearprogramm noch nie gestoppt.

    Der Internationalen Atomenergiebehörde zufolge hat der Iran allein während des vergangenen Jahres die Anzahl der Zentrifugen in seiner unterirdischen Atomanlage in Qom verdoppelt.

    Zu dieser späten Stunde gibt es nur einen Weg, den Iran auf friedliche Wese daran zu hindern, an Atombomben zu gelangen. Man muss „Rote Linien“ für das iranische Atomprogramm ziehen.

    Rote Linien führen nicht zum Krieg; Rote Linien verhindern Krieg.

    Betrachten Sie die Charta der Nato: Sie stellt klar, dass der Angriff auf einen Mitgliedsstaat einen Angriff auf das Bündnis darstellt. Die Rote Linie der Nato hat dabei geholfen, den Frieden in Europa für beinahe ein halbes Jahrhundert zu wahren.

    Präsident Kennedy hat während der Kuba-Krise eine klare Rote Linie gezogen. Auch diese Rote Linie hat einen Krieg verhindert und über Jahrzehnte den Frieden gesichert.

    Tatsächlich ist es häufig der Mangel an Roten Linien gewesen, der zu Angriffen geführt hat.

    Wenn die Westmächte während der 1930er Jahre klare Rote Linien gezogen hätten, dann glaube ich, hätte die Aggression der Nazis gestoppt werden und der Zweite Weltkrieg verhindert werden können.

    Hätte man 1990 Saddam Hussein erklärt, dass er mit seiner Invasion in Kuwait eine Rote Linie überquere, hätte der Erste Golfkrieg verhindert werden können.

    Rote Linien haben auch mit dem Iran bereits funktioniert.

    In diesem Jahr hat der Iran damit gedroht, die Straße von Hormus zu schließen. Die Vereinigten Staaten haben eine klare Rote Linie gezogen, und der Iran ist eingeknickt.

    Rote Linien könnten bezüglich verschiedener Teile des iranischen Atomwaffenprogramms gezogen werden. Doch um glaubwürdig zu sein, muss zu allererst eine Rote Linie für den lebendigsten Teil ihres Programmes gezogen werden: Die Bemühungen des Irans in der Uran-Anreicherung. Lassen Sie mich erklären, warum:

    Grundsätzlich besteht jede Bombe aus Sprengmaterial und einem Mechanismus zur Detonation.

    Das einfachste Beispiel hierfür ist Sprengpulver und ein Zünder. Sie setzen den Zünder in Brand, und das Sprengpulver explodiert.

    Im Falle der iranischen Pläne für eine atomare Waffe ist das angereicherte Uran das Sprengpulver. Der Zünder ist die nukleare Sprengkapsel.

    Für den Iran ist es sehr viel schwerer, genug Uran anzureichern als einen nuklearen Zünder zu produzieren.

    Ein Land wie der Iran braucht viele, viele Jahre, um genug Uran für eine Bombe anzureichern. Man braucht dafür Tausende Zentrifugen in sehr großen Anlagen. Diese iranischen Anlagen sind sichtbar, und sie sind immer noch angreifbar.

    Im Gegensatz dazu könnte der Iran die nukleare Sprengkapsel, also den Zünder, in viel kürzerer Zeit entwickeln, vielleicht in weniger als einem Jahr oder sogar nur wenigen Monaten.

    Die Sprengkapsel kann in einer kleinen Werkstatt von der Größe eines Klassenzimmers hergestellt werden. Es kann sehr schwierig sein, diese Werkstatt zu finden und anzugreifen, besonders im Iran. Das Land ist größer als Frankreich, Deutschland, Italien und Großbritannien zusammen.

    Gleiches gilt auch für die kleine Fabrik, in der man einen Sprengkopf oder einen nuklearen Apparat zusammensetzen könnte, der in ein Containerschiff passen würde. Sie zu finden, wäre ebenfalls sehr schwierig.

    Der einzige Weg, wie man also tatsächlich den Iran daran hindern könnte, eine Atomwaffe zu bauen, ist den Iran daran zu hindern, genug angereichertes Uran für eine Bombe zu erhalten.

    Wie viel angereichertes Uran braucht man also für eine Bombe? Und wie nah ist der Iran daran, genug davon zu besitzen? Ich werde es Ihnen zeigen. Ich habe ein Diagramm für Sie mitgebracht.

    Dies ist eine Bombe, und dies ist der Zünder.

    Die Bombe muss also mit genug angereichertem Uran gefüllt werden, und dafür muss der Iran drei Stufen durchlaufen.

    Die erste Stufe: Sie müssen genug niedrig angereichertes Uran haben.

    Die zweite Stufe: Sie brauchen genug mittelschwer angereichertes Uran.

    Und die dritte und letzte Stufe: Sie müssen genug hoch angereichertes Uran für die erste Bombe haben.

    Wo steht jetzt also der Iran zurzeit? Er hat die erste Stufe abgeschlossen. Sie haben viele Jahre dafür gebraucht, doch sie haben sie abgeschlossen und damit 70% des Weges zurückgelegt.

    Nun sind sie also mitten in der zweiten Stufe. Im nächsten Frühjahr, spätestens im nächsten Sommer werden sie die mittlere Anreichung abgeschlossen haben und zur letzten Stufe übergehen.

    Vor da ab sind es dann nur noch einige Monate, vielleicht sogar nur einige Wochen, bevor sie genug angereichertes Uran für die erste Bombe haben.

    Meine Damen und Herren,

    was ich Ihnen erzählt habe, basiert nicht auf geheimen Informationen. Es basiert nicht auf Spionage. Es basiert auf öffentlichen Berichten der Internationalen Atomenergiebehörde. Jeder kann sie lesen. Sie sind sogar online verfügbar.

    Wenn dies also die Fakten sind, und das sind sie, wo sollte dann die Rote Linie gezogen werden?

    Die Rote Linie sollte ganz genau hier verlaufen, bevor der Iran die zweite Stufe der Anreicherung abschließt, um eine Bombe zu bauen.

    Bevor der Iran an einen Punkt kommt wo er nur noch wenige Monate oder Wochen davon entfernt ist, genug angereichertes Uran zu haben, um eine Atomwaffe zu bauen.

    Jeden Tag kommt dieser Punkt näher. Darum spreche ich heute so dringlich zu Ihnen. Und darum sollte jeder fühlen, dass es wirklich dringend ist.

    Einige, die sagen, dass, auch wenn der Iran den Prozess der Anreicherung abschließt, auch wenn er diese Rote Linie überquert, die ich gerade gezogen habe, unsere Dienste wissen werden, wo und wann er den Zünder herstellt, die Bombe zusammensetzt und den Sprengkopf herstellt.

    Nun, niemand schätzt unsere Nachrichtendienste höher als der israelische Ministerpräsident. All diese führenden Nachrichtendienste sind hervorragend, einschließlich der unseren. Sie haben viele Angriffe verhindert. Sie haben viele Leben gerettet.

    Doch sie sind nicht unfehlbar.

    Über mehr als zwei Jahre haben unsere Nachrichtendienste nicht gewusst, dass der Iran eine riesige Atomanreicherungsanlage unter einem Berg baut.

    Wollen wir riskieren, dass die Sicherheit der Welt von der Annahme abhängt, dass wir eine kleine Werkstatt in einem Land von der Größe halb Europas aufspüren?

    Meine Damen und Herren,

    Die Frage lautet nicht, wann der Iran die Bombe haben wird. Die Frage ist, ab welchem Punkt es uns nicht mehr gelingen wird, den Iran daran zu hindern, die Bombe zu bauen.

    Die Rote Linie muss beim Anreicherungsprogramm des Iran gezogen werden, weil diese Anreicherungsanlagen etwas sind, das wir definitiv sehen und angreifen könnten.

    Ich glaube, wenn der Iran sich mit einer Roten Linie konfrontiert sieht, wird er einknicken.

    Dies wird Sanktionen und Diplomatie mehr Zeit geben, den Iran zu überzeugen, sein Atomwaffenprogramm gänzlich aufzugeben.

    Vor zwei Tagen hat Präsident Obama von diesem Podium aus wiederholt, dass die Bedrohung eines nuklear bewaffneten Iran nicht kalkulierbar ist.

    Ich schätze die Position des Präsidenten ebenso sehr wie jeder andere in meinem Land. Wir teilen das Ziel, das iranische Atomwaffenprogramm zu stoppen. Dieses Ziel eint das Volk Israel. Es eint, die Amerikaner, Demokraten und Republikaner; und es ist vielen wichtigen Führern der Welt gemein.

    Was ich heute gesagt habe, wird helfen, dass dieses gemeinsame Ziel erreicht wird.

    Israel befindet sich mit den Vereinigten Staaten in Diskussionen über dieses Thema, und ich vertraue darauf, dass wir gemeinsam einen Weg finden werden.

    Meine Damen und Herren,

    Der Zusammenstoß zwischen Moderne und Mittelalter sollte kein Zusammenstoß zwischen Fortschritt und Tradition sein.

    Die Traditionen des jüdischen Volkes gehen Tausende von Jahren zurück. Sie sind die Quelle unserer kollektiven Werte und die Basis für unsere nationale Stärke.

    Gleichzeitig hat das jüdische Volk immer in die Zukunft geblickt. Im Laufe der Geschichte waren wir vorne dabei, wenn es darum ging, Freiheit, Gleichheit und Menschenrechte voranzubringen.

    Wir sind Meister dieser Prinzipien, und das nicht trotz unserer Traditionen sondern wegen ihnen.

    Wir beherzigen die Worte der Propheten Jesaja, Amos und Jeremiah, jeden mit Respekt und Mitgefühl zu behandeln, nach Gerechtigkeit zu streben, das Leben wertzuschätzen und für Frieden zu beten und zu sorgen.

    Dies sind die zeitlosen Werte meines Volkes, und dies ist das größte Geschenk des jüdischen Volkes an die Menschheit.

    Lassen Sie uns uns heute dazu verpflichten, diese Werte zu verteidigen, damit wir unsere Freiheit verteidigen und unsere gemeinsame Zivilisation schützen können.

    Ich danke Ihnen.

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