Israel hält inne am Yom Hashoah

Israel hält inne am Yom Hashoah

  • Präsident Shimon Peres während seiner Rede in Yad Vashem (Foto: Präsidialamt)
     
    Menschen in ganz Israel standen heute still, als um 10 Uhr die Sirene zum Gedenken an die Opfer der Shoah ertönte. Zwei Minuten lang werden in jedem Jahr die Arbeit und der Straßenverkehr unterbrochen und Fußgänger bleiben stehen. Der Yom Hashoah ist ein landesweiter Gedenktag, der am Abend des 27. Nissan (dem gestrigen Sonntag) beginnt. Unterhaltungs- und Vergnügungseinrichtungen sind an diesem Tag geschlossen und es finden zahlreiche Gedenkveranstaltungen statt.

    Die zentrale Gedenkveranstaltung wurde gestern Abend wie in jedem Jahr in der Gedenk- und Bildungsstätte Yad Vashem abgehalten und live im Fernsehen übertragen. In Anwesenheit von Präsident Shimon Peres und Ministerpräsident Benjamin Netanyahu kamen dort Überlebende, Kinder von Überlebenden und ihre Familien mit weiteren Gästen aus Politik und Gesellschaft zusammen, um an der Zeremonie teilzunehmen. Im Gedenken an die sechs Millionen ermordeten Juden wurden sechs Fackeln entzündet.

    In seiner sehr persönlichen und bewegenden Rede erzählte Präsident Shimon Peres von der Ermordung der Juden in seinem Geburtsort Wishneva, im heutigen Weißrussland. Dort trieben Angehörige der SS am 30. August 1942 über tausend Mitglieder der jüdischen Gemeinde – darunter Peres Großvater Rabbi Zvi Meltzer, in die Synagoge, steckten das Gebäude in Brand und verbrannten die Menschen bei lebendigem Leibe. Am Ende seiner Rede sagte Präsident Peres: „Als Mitglied des jüdischen Volkes kann und will ich die Schrecken der Shoah nicht vergesen. Als Bürger des Staates Israel werde ich alles in meiner Macht stehende unternehmen, damit die Nazis nie wieder Macht gewinnen. Als Mensch will ich mich dafür einsetzen, mich für den Frieden zwischen den Völkern, zwischen den Religionen und zwischen den Nationen einzusetzen.“

    Ministerpräsident Benjamin Netanyahu erzählte die Geschichten einiger Überlebender der Shoah, die er am Morgen in seinem Amtssitz empfangen hatte. Eine Frau habe ihm gesagt, sie könne sich nicht erinnern, was gestern oder am Tag davor passiert sei, aber nie werde sie den Blick ihrer damals zweijährigen Schwester vergessen, als sie von ihr getrennt wurde. Der Ministerpräsident betonte, es sei seine erste Pflicht als Ministerpräsident des Staates Israel, dafür zu sorgen, dass sich die Shoah nie wiederholen werde.


    Ministerpräsident Netanyahu während seiner Rede in Yad Vashem (Foto: GPO)
    Weiter sagte Netanyahu: „Ich habe es an diesem Ort oft gesagt: wir müssen existenzielle Bedrohungen rechtzeitig erkennen und dagegen angehen. Heute Abend, am Vorabend des Yom Hashoah, frage ich mich: warum versagte die überwältigende Mehrheit der Regierenden dieser Welt und der jüdischen Führer und erkannte die Gefahr nicht schon in den Jahren, die der Shoah vorausgingen? Rückblickend waren alle Warnzeichen gegeben: die zunehmende Stärke des Naziregimes; die üble antisemitische Propaganda, die von Monat zu Monat heftiger wurde; und die mörderischen Angriffe gegen Juden, die als Rinnsal begannen und sich in eine riesige Welle verwandelten? Rückblickend führt eine direkte Linie von den Rassengesetzen zu den Gaskammern.“

    Der Ministerpräsident schilderte eingehend das Verhalten der Regierenden der Zeit und resümierte: „Die Wirklichkeit war klar, aber sie war verborgen in einer Wolke von Illusionen. (…) Hat die Welt aus den Fehlern der damaligen Zeit gelernt? Heute stehen wir erneut klaren Fakten und einer handfesten Bedrohung gegenüber. Der Iran ruft zu unserer Vernichtung auf und entwickelt Nuklearwaffen. (…) Heute gibt es, ähnlich wie damals, jene, die die extreme Rhetorik aus dem Iran als innere Angelegenheit einstufen. Heute, ähnlich wie damals, gibt es jene, die die atomaren Ansprüche des Iran als das Ergebnis des natürlichen Willens einer stolzen Nation einschätzen – einen Willen, den man zu akzeptieren habe. Und wie damals machen sich jene, die dies behaupten, etwas vor. (…) Ich hoffe, dass wir die Lehren aus der Vergangenheit ziehen und dass der Versuch, die Konfrontation um jeden Preis zu verhindern, uns nicht zu einem Handel führen wird, für den wir in der Zukunft einen viel höheren Preis bezahlen müssen.“

    (Außenministerium des Staates Israel, Präsidialamt, 27.04.2014/ Foto: GPO)
     
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