Was jetzt passiert

Was jetzt passiert

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    Von Emanuel Rosen, Ynet, 24.01.13

    Die Wahlen von 2013 haben eine konfuse Knesset produziert, gleichzeitig geht aber auch eine sehr eindeutige Nachricht von ihnen aus: Viele Israelis sowohl aus der Rechten als auch aus der Linken, vor allem die jungen Wähler, haben genug von PR-Beratern und Zickzackkurs. Sie lassen sich weniger von eloquenten Reden und eingeübter Körpersprache beeinflussen und erwarten etwas Anderes, Neues und Frisches. Sie warten auf jemanden, der sagt, was er meint und meint, was er sagt. […]
     
    Die nächste Knesset wird voraussichtlich nicht lange bestehen, doch trotzdem steht sie für die Hoffnung auf einen Wandel. Der Ball liegt jetzt im Feld derer, die unter ihren Wählern den Eindruck erweckt haben, dass sie für eine andere Art der Politik und andere Werte stehen. Yair Lapid und Naftali Bennett – und in gewissem Maß auch Shelly Yachimovich – werden den hohen Erwartungen gerecht werden müssen, die sie selbst geweckt haben. Ihre Prüfung waren nicht die Wahlen, ihre Prüfung hat am Tag nach den Wahlen begonnen.
     
    Im Gegensatz zu den Gimmicks der vergangenen Wahlen können wir dieses Mal erwarten, dass Dinge sich möglicherweise wirklich ändern könnten. Lapid bemüht sich um eine weitergefasste Agenda als sein verstorbener Vater Tommy Lapid sie hatte. Bennett ist auch nicht mit der Rentnerpartei zu vergleichen, und Yachimovich hat ernsthaftere Pläne als die Zentrumsparteien der Vergangenheit.
     
    Am Vorabend der Wahlen hat Bennett versprochen, dass seine Partei sich nicht nur auf das Thema Siedlungen konzentrieren würde; Lapid hat geschworen, nicht als Feigenblatt einer rechten Regierung zu dienen, und Yachimovich hat erklärt, sie würde überhaupt nicht Teil einer solchen Regierung werden. Wer diesen drei Parteivorsitzenden vertraut hat, möchte nun erleben, dass sie ihre Versprechen halten. Doch darüber hinaus wollen ihre Wähler wirklich eine neue Art Politiker sehen – Politiker, die meinen, was sie sagen, wenn sie davon sprechen, die Lebenshaltungskosten zu senken.
     
    Die hohe Wahlbeteiligung lässt darauf schließen, dass es auch bei der gleichgültigen und verzweifelten israelischen Öffentlichkeit ein wachsendes Bedürfnis nach einer israelischen Version des Tachrir-Platzes gibt.
     
    Um sicher zu stellen, dass dieser Wunsch nicht auf ein paar Demonstrationen auf dem Platz oder auf die Wahlurne beschränkt bleibt, braucht die israelische Politik eine neue Generation von Anführern. Die Giganten Begin, Rabin, Sharon und Peres wurden durch Netanyahu und Barak ersetzt. Und obwohl Netanyahu jetzt seine dritte Amtszeit antritt signalisiert die israelische Öffentlichkeit von allen Seiten des politischen Spektrums her, dass sie auf etwas Neues wartet.
     
    Aus dieser Perspektive erscheinen die nächsten Wahlen, von denen die meisten Israelis glauben, dass sie bereits in zwei Jahren stattfinden werden, faszinierend. Sie werden Lapid, Yachimovich und Bennett die Bewährungsprobe darstellen und vielleicht auch einige weitere Newcomer präsentieren. Die unappetitlichen Koalitionsgespräche der nächsten Wochen werden eine unkontrollierbare Regierung hervorbringen, doch vielleicht dürfen wir immer noch hoffen, dass etwas Neues begonnen hat. Es muss noch reifen und kann den Wandel nicht von einer Minute auf die andere bringen, doch es ist da und wird sich beim nächsten Mal unter Beweis stellen können.
     
    Der Autor ist Journalist.
     
    Die auf der Website veröffentlichten Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der israelischen Regierung wieder, sondern bieten einen Einblick in die politische Diskussion in Israel.
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     : Botschaft
     
     
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