Liebesbrief an Israel aus Schweden

Liebesbrief aus Schweden

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    Von Kim Milrell, Ynet, 20.03.12
     
    Wann immer ich Israel besuche, werde ich gefragt: "Warum hassen uns die Schweden so sehr?" Lassen Sie mich die Gelegenheit nutzen, um dies einmal zu erklären.
     
    Die Schweden wissen eigentlich nichts über Israel, aber sie glauben, alles zu wissen. Das wenige, was sie tatsächlich wissen, erfahren sie aus den Medien – und glauben Sie mir, die zeichnen nicht unbedingt ein schönes Bild.
     
    Die Art und Wiese, wie die schwedischen Medien über Israel berichten, ist genauso deprimierend wie der Konflikt zwischen Israel und den Arabern selbst. Ja, ich frage mich, ob ich jemals einen Artikel gelesen habe, der irgendwie mit Ihrem Land zusammenhängt und sich nicht mit den Problemen in der Region beschäftigt hat. Es ist, als würde Israel ohne die Palästinenser und den Konflikt gar nicht existieren.
     
    In Schweden kann Israel niemals gewinnen. Wie die Geschichte auch abgelaufen sein mag, die Medien werden immer einen Weg finden, die Dinge so zu verdrehen, dass am Ende irgendwie Israel die Schuld trägt.
     
    Über die endlosen Raketenangriffe aus dem Gazastreifen wird nicht berichtet – jedenfalls solange, bis Israel zurück schlägt. Dann lesen wir verdrehte Schlagzeilen wie "Israel verübt Luftangriffe im Gazastreifen". Und wenn wir Glück haben, werden ganz am Ende vielleicht noch die Terroristen im Gazastreifen erwähnt. Wenn ein großer Terroranschlag stattfindet, dann bekommen wir natürlich die Berichte und sehen die Bilder, doch das tägliche Leid der Israelis und der Kinder in den Luftschutzkellern fehlt in den schwedischen Zeitungen.
     
    Jede Nachricht über Israel stellt für den Schreiber eine willkommene Gelegenheit dar, den jüdischen Staat in Misskredit zu bringen. In einem Artikel im Newsletter einer schwedischen Tierschutzgruppe über die großen Fortschritte im Tierschutz in Israel beispielsweise stellt der Autor fest, dass in Israel zwar nicht die Menschenrechte, dafür aber wenigstens der Tierschutz geachtet werden. Es ist überflüssig zu sagen, dass der Artikel wahrscheinlich von jemandem geschrieben wurde, der niemals Ihr Land besucht hat, also von jemandem, der nur jahrelang die Schlagzeilen gelesen hat – der Durchschnitts-Schwede also.
     
    In den schwedischen Mainstreammedien gibt es nur sehr selten Reportagen über Wissenschaft, Technik oder irgendetwas Großartiges, das aus Israel kommt, und die Schweden sind häufig begeistert von der Idee, israelisches Obst zu boykottieren. (Aus irgendeinem Grund ist Obst ein sehr sensibler Punkt…) Natürlich benutzen sie gerne israelische Software, Kommunikationstechnologien und medizinische Ausrüstung. Wahrscheinlich wussten sie beim Kauf nicht, dass sie Israel unterstützen, da niemand sie hat wissen lassen, dass es sich um israelische Produkte handelt.
     
    Israel zu beleidigen mag der neue schwedische Nationalsport sein, vor allem in den Medien, doch ich glaube immer noch nicht daran, dass Schweden grundsätzlich Israelis, Juden oder den jüdischen Staat hassen – ich glaube, dass sie es einfach nicht besser wissen. Und wie sollen sie auch, wenn sie niemand informiert?
     
    Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, ein pro-israelischer Blogger zu werden – und glauben Sie mir, das ist nicht einfach. Es ist fast ein Vollzeitjob. Schön ist, dass jedes Jahr ein neuer Blogger dazustößt, der ebenso müde von den endlosen Verdrehungen der Medien ist und ein anderes Bild vom jüdischen Staat verbreiten will.
     
    Nichts ist für den Durchschnitts-Schweden verstörender, als wenn jemand positiv über Israel spricht – Jahrzehnte der antiisraelischen Propaganda haben das schwedische Volk einer gründlichen Gehirnwäsche unterzogen.
     
    Ich tue alles, was ich kann, um meine Landsleute aus diesem schrecklichen Albtraum aufzuwecken. Ich bin sicher, sie werden mir eines Tages dafür dankbar sein, dass ich nicht nur ein stiller Beobachter geblieben bin.
     
    Bis dahin urteilen Sie bitte nicht allzu hart über sie.
     
    Der Autor ist Blogger und Webdesigner.
     
    Die auf der Website veröffentlichten Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der israelischen Regierung wieder, sondern bieten einen Einblick in die politische Diskussion in Israel.
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