Erinnerung und Lehre

Erinnerung und Lehre

  •   Zum Internationalen Holocaust-Gedenktag
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    Von Silvan Shalom, Yisrael Ha-Yom, 26.01.12
     
    Der Beschluss der UN-Generalversammlung vor mehr als sechs Jahren, den Vorschlag Israels zur Einführung eines internationalen Gedenktages für die Opfer der Shoah anzunehmen, war ein einzigartiger Moment in der Geschichte der Vereinten Nationen. Die Einführung des internationalen Holocaustgedenktages erteilt jeder Form der Holocaustleugnung eine eindeutige Absage. Sie ist eine Ermutigung für Staaten, die Konzentrations- und Vernichtungslager auf ihrem Staatsgebiet als Gedenkstätten zu bewahren und das Auftreten von Fremdenhass und Gewalt gegen Andere aus ethnischen oder religiösen Motiven nicht zu dulden.
     
    Der internationale Gedenktag für die Opfer der Shoah wird in Parlamenten und Schulen weltweit mit offiziellen Gedenkveranstaltungen begangen. Es ist wichtig, dass die Erinnerung an die Shoah und die Opfer auch in den kommenden Generationen bewahrt wird. Unsere Kinder müssen zu einem weiteren Glied in der Kette der Erinnerung werden, die von Generation zu Generation weitergegeben wird.
     
    Als Außenminister Israels zu der Zeit, als die Entscheidung in der UNO verabschiedet wurde, hat mich diese Entscheidung sehr bewegt. Ich fühlte damals wie auch heute noch, dass sich ein Kreis geschlossen hatte und wir einen wichtigen Erfolg erzielt  hatten.  Ich nahm an der Sondersitzung der Generalversammlung zum Thema Shoah teil und habe, gemeinsam mit dem damaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan, die Ausstellung zum Vernichtungslager Auschwitz eingeweiht, die bei den Vereinten Nationen gezeigt wird. Mir war klar, dass dieser Schritt eine wichtige Aussage enthält, die nicht nur die Vergangenheit des jüdischen Volkes betrifft sondern auch – und das ist nicht weniger wichtig – Einfluss auf seine Zukunft haben wird.
     
    Die Verbindung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft scheint beinahe selbstverständlich. Der Hass gegen Juden überhaupt und der Hass gegen Israel im Besonderen sind auch heute in der Welt präsent. Im Laufe der Jahre ändert sich das Umfeld, die Sprache wird angepasst und die Umstände sind andere – doch der gemeinsame Nenner bleibt immer erkennbar. Es sind derselbe Hass, dieselbe fanatische Rhetorik wie damals, als wir Zeugen dessen wurden, wohin sie führen können.
     
    Der Antisemitismus ist und bleibt ein schreckliches Übel. Es scheint, als hätten viele in der freien Welt schon verstanden, dass dieser Hass, der so böse ist, nicht länger nur ein Problem des jüdischen Volkes und des Staates Israel ist. Jeder Bürger der westlichen Welt ist letztendlich ein Feind dieses zerstörerischen Geistes, und aus diesem Grund sollte jede Nation der freien Welt die Gefahr dieses Übels mit all ihren schwerwiegenden Konsequenzen für unsere Zukunft erkennen.
     
    Nicht nur am offiziellen internationalen Gedenktag, sondern an allen Tagen des Jahres sind die Nationen der Welt verpflichtet, der schrecklichen und unbegreiflichen Ereignisse des Zweiten Weltkrieges zu gedenken. Nur eine Nation, die die Erinnerung an die Schrecken der Shoah bewahrt, an die Säuglinge, Kinder und Alten, an Frauen und Männer, die gefoltert und ermordet, die bei lebendigem Leib verbrannt wurden – nur eine Nation, die all das nicht vergisst, kann im Ernstfall so handeln, wie es angesichts dieses Weges des Hasses und der Hetze auch im 21. Jahrhundert notwendig ist.
     
    Unsere Verpflichtung als Juden für das Gedenken an die Ereignisse der Shoah ist ein untrennbarer Teil unseres Seins, unseres genetischen Codes. Nur wenn wir uns weiterhin erinnern, können wir hoffen, dass wir alles uns Mögliche tun, um sicherzustellen, dass jene, die der Hölle entkommen sind und ihre Nachkommen in einer besseren Welt leben können.
     
    Der Autor ist Minister für regionale Zusammenarbeit und für die Entwicklung des Negev und Galiläas
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