Ein diplomatisches Hoch

Ein diplomatisches Hoch

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    Von Moshe Arens, Haaretz, 07.02.12
     
    In den vergangenen zwei Monaten hat sich das Wetter in Israel dramatisch verändert. Von einem Dürre-Winter war die Rede, doch glücklicherweise erwiesen sich die Vorhersagen als falsch. Israel leidet nach wie vor unter Wassermangel, doch zurzeit ist die Lage nicht so schlimm wie gedacht.
     
    Ist jemandem aufgefallen, dass es noch einen anderen Wetterumschwung gegeben hat, der alle Schwarzseher Lügen straft? Es hat sich herausgestellt, dass auch das internationale Klima in Zusammenhang mit Israel sehr viel besser ist als vorausgesagt, und es scheint als würde es sich weiter verbessern.
     
    In der vergangenen Woche hat der kanadische Außenminister John Baird bei einem Besuch in Tel Aviv erklärt, Israel habe keinen besseren Freund als Kanada. "Ottawa steht auf der Seite dessen, der im Recht ist, auch wenn das nicht populär oder bequem ist oder sich auszahlt", so Baird. "Israel ist ein Quell des Lichts in einer Region, die auf Freiheit, Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaat hofft", fügte er hinzu.

    Seit der Ernennung Steven Harpers zum kanadischen Ministerpräsidenten vor fünf Jahren stellt Kanada konsequent seine Freundschaft zu Israel unter Bewies. Das war nicht immer so. Die Politik Kanadas gegenüber Israel war viele Jahre lang  im günstigsten Fall als lauwarm zu bezeichnen.
     
    Nicht nur das G8- und Natomitglied Kanada bringt seine Unterstützung  zum Ausdruck. Auch die Politik der Regierungskoalition in Holland, eines der wichtigsten Mitglieder der EU, ist gegenüber Israel sehr viel freundschaftlicher eingestellt als vorherige Regierungen des Landes. Osteuropäische EU-Mitgliedsstaaten unterhalten weiterhin enge Beziehungen zu Israel. Und schließlich sind auch die Töne, die in den letzten Monaten aus den USA zum Thema israelisch-amerikanische Beziehungen zu hören sind, ein Wohlklang in den Ohren der meisten Israelis.
     
    Der Wahlkampf, der durch die Kandidatenkür bei den Republikanern eröffnet worden ist, führt zu Äußerungen der Unterstützung Israels aus dem Mund fast aller Kandidaten – und das zu einer Zeit, in der die USA sich in einer Wirtschaftskrise befinden, die eigentlich den Wahlkampf bestimmen sollte.
     
    Dieser Ansatz zeichnet nicht nur die Republikaner aus. Auch Präsident Obama, der in der Vergangenheit mehr als einmal durch Kritik an Israel aufgefallen ist, singt jetzt ein Loblied auf unser Land. Dieser diplomatische Wetterumschwung in den USA geht weit über die Politik hinaus und zeigt die tiefe Verwurzelung der Unterstützung für Israel in der amerikanischen Gesellschaft.
     
    Wer erinnert sich noch an die ständigen Warnungen, die in Israel vor seiner Isolierung in der Welt zu hören waren und davor, dass wir am Ende ganz ohne Freunde dastehen würden? Jedes Ereignis in der Region musste als Beweis dafür herhalten. So zum Beispiel als behauptet wurde, Israel müsse sich bei der Türkei für den Vorfall auf der "Mavi Marmara" entschuldigen, obwohl eigentlich klar war, dass die Türkei sich hätte entschuldigen müssen. Der türkische Ministerpräsident beschloss, die Rolle des Führers der muslimischen Welt zu geben und Israel den Rücken zuzukehren, und verkündete gleichzeitig, Israel sei für die Isolierung verantwortlich.
     
    Auch angesichts der Aufstände in Ägypten und Syrien wurde behauptet, Israel würde ganz ohne Freunde zurückbleiben. Wer hat erklärt, es nähere sich ein Tsunami, der Israel im September 2011 durch die Abstimmung über die UN-Mitgliedschaft der Palästinenser treffen würde? Der Tsunami könnte verhindert werden, wurde erklärt, wenn Israel gegenüber Mahmud Abbas zu weitergehenden Zugeständnissen bereit sei. Der September ist vergangen, und wer einen Tsunami vorausgesagt hat, hat einmal mehr gelernt, dass Prophezeiungen im Nahen Osten ein gefährliches Unterfangen sind.
     
    Es ist nicht überraschend, dass Demokratien in der Welt verstehen, dass Israel die einzige Demokratie im Nahen Osten ist, der es stets gelungen ist, wiederkehrende Angriffe abzuwehren und sich dem Terror entgegenzustellen, und dass in dieser Zeit der Instabilität und Gewalt in der Region Israel der einzige verlässliche Verbündete ist.
     
    Vielleicht ist damit das, was aus der Distanz so klar ist, auch für die Kritiker zu Hause ein wenig deutlicher geworden.
     
    Der Autor ist Mitglied des Likud, ehemaliger Außenminister und ehemaliger Verteidigungsminister des Staates Israel.
     
    Die auf der Website veröffentlichten Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der israelischen Regierung wieder, sondern bieten einen Einblick in die politische Diskussion in Israel.
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     : GPO
     
     
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Einem Freund mailen
  
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