Ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht

Tausendundeine Nacht

  •    
    Von Boaz Bismuth, Israel ha-Yom, 11.04.12

    Noch sind die Delegationen nicht auf dem Weg nach Istanbul, da lässt der Iran auch schon die Luft aus den Atomgesprächen, die am Wochenende in der Türkei stattfinden sollen.
     
    Nachdem die Iraner in den vergangenen Wochen die Forderungen des Westens nach einer Schließung der Anlage zur Urananreicherung bei Qom und einem Ende der Anreicherung von Uran auf ihrem Gebiet entschieden zurückgewiesen haben, schießen sie seit gestern scharf in alle Richtungen: Sie behaupten, sie hätten eine israelische Terrorgruppe aufgedeckt, kündigen an, die Öllieferungen an Spanien und Griechenland einzustellen, und drohen, das selbe auch mit den Lieferungen nach Italien und Deutschland zu tun.

    Die von der Europäischen Union verhängten Sanktionen scheinen sie nicht besonders zu stören. Präsident Ahmadinedschad hat sich gestern damit gebrüstet, dass sein Land problemlos auch ohne Öl zu verkaufen zwei oder drei Jahre durchhalten könnte. Diese Nachricht eröffnete alle iranischen Nachrichtensendungen, kurz nachdem Ahmadinedschads Rede bereits live ausgestrahlt worden war. So gelingt es den Iranern, im Vorhinein ein "positives" Klima für die Atomgespräche zu schaffen.
     
    Und auch das Gastgeberland Türkei wurde gestern aus dem Iran scharf angegriffen. Im Januar 2011 ist es den beiden Ländern noch gelungen, vor den Gesprächen Einigkeit zu demonstrieren, auch wenn sie damals schon eher künstlich war. Doch das war vor der Syrienkrise. Heute kämpfen die Türkei und der Iran mit härteren Bandagen, vor allem weil Ankara dem Assad-Regime kritisch gegenübersteht.
     
    Eine iranische Abgeordnete hat gestern in der "Tehran Times" einen Kommentar veröffentlich, den die Diplomaten im Land sehr aufmerksam gelesen haben dürften. Der Artikel trägt die Überschrift "Questions about Turkey's goodwill". Die Abgeordnete Zohre Elahian, Mitglied im Nationalen Sicherheitsrat und im Auswärtigen Ausschuss des iranischen Parlaments, meint, die Türkei würde angesichts der Umbrüche in der arabischen Welt eine "brüchige und instabile Politik" verfolgen. Und überhaupt befürworte der Westen die iranische Idee, die Gespräche im Irak abzuhalten.
     
    Die Iraner waren schon immer Meister im Spiel mit den Worten – auch, als sie noch Perser hießen. Aussitzen und Taktieren ist Teil der persischen diplomatischen Tradition. Die Iraner können nicht nur stundenlang über Inhalte debattieren […], auch über den Ort des Treffens wird gehandelt, als sei die Welt ein persischer Basar.
     
    Die iranischen Medien haben gestern ausführlich erläutert, warum sich der Irak viel besser als Ort für die Gespräche eignen würde als Istanbul, nachdem er so schön schon Gastgeber des arabischen Gipfels war – und auch, warum im Falle des Erfolgs der Gespräche von Istanbul die Delegationen wann auch immer in den Irak umziehen werden. Und inzwischen vergeht die Zeit.
     
    Der Iran hat nicht vor, an diesem Wochenende etwas zu verschenken, und ganz sicher nicht an die Türkei. Schon jetzt verwandeln die Iraner die Atomgespräche äußerst kunstvoll zu einer reinen Zeitverschwendung.

    Der Autor ist Journalist ehemaliger Botschafter Israels in Mauretanien.
     
    Die auf der Website veröffentlichten Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der israelischen Regierung wieder, sondern bieten einen Einblick in die politische Diskussion in Israel.
  •  
     
  •  
DruckenDruckversion
  
Einem Freund mailen
  
Bookmark and Share