Diesen Terror hält auch Iron Dome nicht auf

Machtkämpfe im Gazastreifen

  •   Diesen Terror hält auch Iron Dome nicht auf
  •    
    Von Moshe Elad, Ynet, 12.03.12
     
    "Nur" eine neue Runde der Gewalt? Ich fürchte – nein. Was sich zurzeit im Gazastreifen ereignet, ist ein weiterer Aspekt des "Arabischen Frühlings".
     
    Der saudische König Abdallah und Hamad ibn Chalifa Al Thani, Herrscher über Katar und Al Jazeera – zwei sunnitische Herrscher mit totalitärer Weltauffassung, die die Revolutionen in Libyen, Ägypten und Tunesien verachten – haben beschlossen, in Aktion zu treten. Sie versuchen, im Gazastreifen einen sunnitischen Anführer an die Macht zu bringen. Dieser soll die anderthalb Millionen Einwohner in ein System überführen, das zwar das Fähnlein der Sharia schwenkt, aber  ihrer eigenen erfolgreichen Methode des "Islam Light" entspricht. Die beiden wollen im Gazastreifen kein Taliban-Regime installieren, sondern eine Art der islamischen "totalitären Demokratie" im Sinne J.L. Talmons.
     
    Die Herrscher aus Katar und Saudi-Arabien haben die Hamas nicht gebeten, sondern ihr befohlen, mit dem Schießen aufzuhören und vom Frieden zu sprechen – wenn auch nur mit der PLO von Mahmud Abbas. Die Iraner ihrerseits, frustriert von der ihrer Meinung nach zahnlosen Hamas, haben sich entschieden, sich der Opposition im Gazastreifen anzunehmen und so ein Gegengewicht zu schaffen. Nie zuvor waren die Anführer der sunnitischen Organisationen "Islamischer Jihad" und "Volksfront zur Befreiung Palästinas" bei den schiitischen Iranern so beliebt wie heute. Der Iran fordert von ihnen, Israel anzugreifen. Die Tötung von Zuhir Kaisi kam ihnen da gerade recht.
     
    Die gegenwärtige Welle der Gewalt ist Ausdruck dieser Machtkonstellation, und darin unterscheidet sie sich von ihren beiden Vorgängern. Der Raketenbeschuss und die Neutralisierung der Raketen durch das System "Iron Dome" ist nur die Kulisse für die Machtkämpfe zwischen den sunnitischen und schiitischen Zentren der Macht. Der Gazastreifen hat sich verändert: Die Krise in Syrien und dem Rest der arabischen Welt und das Versiegen des Geldflusses haben dazu geführt, dass die Hamas nicht mehr wie zuvor jede Gruppe im Griff hat, die Raketen auf Israel abfeuert. Im Unterschied zu früher sagt sie die Wahrheit, wenn sie behauptet, sie könne den Raketenbeschuss nicht einstellen lassen. Und die kleineren Gruppierungen haben heute kein Problem mehr damit, die Hamas in ihrem Machtanspruch herauszufordern. Die Oppositionsgruppen planen eigene Selbstmordanschläge und sind heute, finanziert vom Iran, der Hauptakteur im Terrorismus.
     
    Und wo steht nun Israel in dieser ganzen Situation? Das System "Iron Dome" ist ein durchschlagender Erfolg, und die Begeisterung der Israelis ist berechtigt. Doch die Organisationen im Gazastreifen werden den Raketenbeschuss nicht einstellen – auch wenn die Neutralisierungsquote von Iron Dome 100 Prozent betragen würde. Die palästinensischen Organisationen werden ihn fortsetzen, obwohl sie wissen, dass sie dafür mit gezielten Tötungen bestraft werden. Sie stellen bereits im Vorhinein alternative Kommandostrukturen auf, um im Falle einer gezielten Tötung schnell den Platz an der Front zu besetzen. Sie werden weiterhin um jeden Preis Raketen auf Israel schießen, weil dies die Anweisungen aus dem Iran sind. Der wahre Kampf findet also nicht mit "Iron Dome" statt, sondern um den Felsendom, d.h., um das Image des echten Islam und des wahren Anführers im Nahen Osten.
     
    Für uns, die Israelis, wird dieser "Arabische Frühling" noch einen kalten und stürmischen Winter bringen. Die palästinensische Tradition von Beleidigung, Zuspitzung und Eskalation geht weiter wie bisher, unter anderem Namen. Nach den Anschlägen der 1970er Jahre waren wir sicher, dass die PLO der Gesandte des Satans ist – heute wirkt sie im Vergleich zu ihren Gegnern im Gazastreifen wie Mutter Theresa. 2006 hat die palästinensische Öffentlichkeit überraschend eindeutig die Hamas an die Macht gewählt, eine Organisation, die für uns in den 1990er Jahren und danach wegen ihrer Anschläge als "Mutter aller Satane" galt. Den nächsten Satan kann auch "Iron Dome" nicht neutralisieren.
     
    Dr. Moshe Elad ist Dozent am Akademischen College Westgaliläa und hatte hochrangige Positionen bei den Israelischen Verteidigungsstreitkräften inne.
     
    Die auf der Website veröffentlichten Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der israelischen Regierung wieder, sondern bieten einen Einblick in die politische Diskussion in Israel.
  • icon_zoom.png
     : Reuters
     
     
  •  
DruckenDruckversion
  
Einem Freund mailen
  
Bookmark and Share