Der neue Trend: Prominente in die Knesset

Prominente in der Knesset

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    Von Matti Tuchfeld, Israel Ha-Yom, 10.01.12
     
    Ministerpräsident Binyamin Netanyahu war in den letzten Tagen nicht bereit, die in den vergangenen Wochen immer lauter werdenden Gerüchte zu dementieren, wonach die Wahlen zur Knesset vorgezogen werden sollen. Warum sollte er? Schließlich spielt ihm das politische Chaos der letzten Zeit in die Hände.
     
    Diese Stimmung ist es, die wohl auch zu der verfrühten Ankündigung Yair Lapids geführt hat, in die Politik gehen zu wollen und daraufhin zur Gegenreaktion der Arbeitspartei, Noam Shalit, den Vater des ehemals entführten israelischen Soldaten Gilad Shalit, in ihre Reihen aufzunehmen. Diese Stimmung ist es auch, die bei Außenminister Lieberman ein mulmiges Gefühl ausgelöst und die einige Mitglieder von Kadima dazu gebracht hat, die Tage bis zu den Wahlen zu zählen.
     
    In Wirklichkeit weiß natürlich niemand, ob es Neuwahlen geben wird. Man kann davon ausgehen, dass Tzipi Livni in Kürze vorgezogene Wahlen zum Vorsitz von Kadima ausrufen wird, die dann Ende April oder Anfang Mai stattfinden werden. Und die Parade der Prominenten, die für Parteien antreten wollen, geht weiter.
     
    Wenn man den Anspielungen einiger Prominenter Glauben schenken darf, wird die nächste Knesset voll sein mit ehemaligen Journalisten, die zurzeit überlegen, hinter Yair Lapid ins kalte politische Wasser zu springen.
     
    Während die Journalisten früher noch davon träumten, wie Superman nachts zum Superhelden zu werden, scheinen sie heute unbedingt den Titel „Knessetmitglied“ vor ihrem Namen tragen zu wollen.
     
    Die Ankündigung Shalits, in die Politik zu gehen, löste bei nicht wenigen Menschen ein gewisses Unbehagen aus. Mithilfe der Menschen, die für ihn die Kampagne zur Freilassung seines Sohnes geführt haben, ist es ihm gelungen, große Teile der Öffentlichkeit zu einen – wenn nicht durch Unterstützung des Abkommens, so doch durch ein Gefühl der Identifikation mit dem Leid der Familie. Abgesehen davon, dass Shalit nicht wie jemand erscheint, der für die Politik geeignet ist (dafür benötigt man zumindest ein Mindestmaß an Vitalität und Inspiration), wäre es besser gewesen, wenn er sich daran erinnert hätte, dass seine Bekanntheit einzig und allein aus der Tragödie seiner Familie herrührt. Genauso wie er, mit vollem Recht, von der Öffentlichkeit gefordert hat, nach der Freilassung seines Sohnes die Privatsphäre seiner Familie zu respektieren, so kann auch die Öffentlichkeit jetzt vorsichtig und höflich von ihm fordern, in sein Haus zurückzukehren und in Bescheidenheit und ganz privat Gilad bei seiner Genesung zu unterstützen, ohne Störungen und Belästigungen, genauso, wie er es gefordert hat.
     
    Die Atmosphäre bei Kadima war noch nie so schwierig. Es besteht ein Gefühl des Verlustes und der Hoffnungslosigkeit. Auch Kadima hat eine Reihe an Stars, die bereits erklärt haben, sich ihr anschließen zu wollen. Auch sie, so sieht es aus, waren zu schnell. Wir werden sehen, ob es ihnen gelingt, ohne dass jemand es bemerkt, ganz heimlich still und leise zur neuen Partei von Yair Lapid zu wechseln.

    Die auf der Website veröffentlichten Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der israelischen Regierung wieder, sondern bieten einen Einblick in die politische Diskussion in Israel.
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