Zensur und die Rolle der Medien II

Zensur und die Rolle der Medien II

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    Israel hat bestätigt, dass in einem israelischen Gefängnis ein Häftling unter falscher Identität festgehalten wurde, der sowohl über die israelische als auch über eine ausländische Staatsbürgerschaft verfügt hat und der sich vor etwa zwei Jahren in seiner Zelle das Leben genommen hat. Nun diskutiert Israel darüber, warum diese Affäre so lange geheim gehalten wurde, und ob Zensur in solchen Ausnahmefällen noch zeitgemäß ist. Wir dokumentieren zwei Meinungen.
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    Dummheit anstelle von Zensur
     
    Von Ben Dror Yemini, Ma‘ariv, 13.02.13
     
    Es ist sehr unwahrscheinlich, dass es jemanden gibt, der sich für die geheime Affäre interessiert und der trotzdem noch nicht die meisten Details kennt, die mit ihr zusammenhängen. Eine einfache Suche im Internet bringt bereits den Großteil der Informationen. In Israel weiß man von der Angelegenheit. In der Welt interessiert man sich dafür und weiß es auch; und es ist wahrscheinlich, dass, bis die Wahrheit hier veröffentlicht wird, die meisten Details schon in der internationalen Presse zu lesen waren. Und nur in Israel bleibt die Sache zensiert und unter Verschluss.
     
    Solche Geschichten haben wir bereits erlebt. Wer wollte, kannte schon den Großteil der Details in der Affäre Anat Kam. Auch damals haben die sozialen Netzwerke, die Internetseiten und die ausländischen Medien die Details hoch- und runtergejubelt. Nur die Israelis blieben im Dunklen. Das heißt, eigentlich war es nicht dunkel, nicht wirklich Zensur, der Bildschirm wurde nicht schwarz und die Informationen blieben nicht geheim. Denn je mehr sich bestimmte Institutionen bemühen, etwas zu verdunkeln, desto mehr wird die Affäre sexy. Schließlich werden die Informationen ja veröffentlicht. Schließlich hat Israel ja nichts zu verbergen. Schließlich ist es ja so, dass, wenn etwas im offiziellen Verhalten Israels nicht in Ordnung wäre, es sich dabei nicht um Kriegsverbrechen handelt. Das Problem liegt daher mehr im Verschweigen der Informationen als in den Informationen selbst. Und doch, anstelle die Affäre bekannt zu machen, anstelle davon, sie in ihrer wirklichen Größe darzustellen, macht Israel eine noch viel größere Affäre daraus.
     
    Die Zeit der Zensur ist noch nicht vorbei. Hier und da gibt es Umstände, die sie notwendig machen. Aber unabhängig von ihrer grundsätzlichen Rechtmäßigkeit hat es keinerlei Sinn, sie bei Affären anzuwenden, die bereits über so viele Medienkanäle veröffentlicht werden. Sinnvoll ist es, sie anzuwenden, wenn die Details noch unter Verschluss sind – nicht in der gegenwärtigen Affäre und anscheinend auch nicht in ähnlichen in der Vergangenheit. Denn innerhalb weniger Tagen, vielleicht auch schneller, wird auch im hintersten dunklen Flecken der Erde alles veröffentlicht werden – in Israel. Irgendjemand muss schließlich die Sache erklären. Und dieser jemand sorgt damit für das Gegenteil, und zwar das genaue Gegenteil, dessen, was er eigentlich bewirken wollte. Und noch schlimmer: Es war von Anfang an klar, dass gerade die Zensur diese Affäre viel größer machen würde. Und warum? Nun, gerade das Schweigen oder auch das zum Schweigen bringen ist es doch, was die Spekulationen anheizt. Weil man weiß aber auch wieder nicht. Die Einzelheiten sind bekannt, aber vielleicht nicht das vollständige Bild. Und was jetzt noch bleibt, ist vor allen Dingen das Verhalten Israels.
     
    Einige Knessetmitglieder haben am Dienstag ihre Macht und Immunität ausgenutzt, um diese Affäre bekannt zu machen. Vor allem unter dem Aspekt der geheimen Gefangenhaltung. Auch darüber ist in der Vergangenheit bereits berichtet worden. Es schien, dass man sich um das Problem gekümmert habe. Aber anscheinend stimmt das nicht. Im Gegensatz zu dem Eindruck, der aus den Fragen der Abgeordneten entstanden ist, gab es keinerlei Einverständnis seitens der Journalisten, mit dem Staat zu kooperieren, um die Affäre geheimzuhalten. So dass der Versuch, nachträglich die Herausgeber mit ins Boot zu holen, sich ebenfalls als falsch erweist.
     
    Wir befinden uns im Jahr 2013. Die Zeit ist gekommen, dass auch die Entscheidungsträger ihre Uhren danach stellen.
     
    Der Autor ist Journalist und Publizist.

    Die auf der Website veröffentlichten Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der israelischen Regierung wieder, sondern bieten einen Einblick in die politische Diskussion in Israel.
     
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